EIGENFORSCHUNG. Jedes Jahr sorgen die Wiener Fiaker in der Stadt und in den Medien für kontroversielle Diskussionen, wobei meist das Thema des Tierschutzes im Vordergrund steht. Die Fiaker sind im Stadtbild Wiens seit Jahr(hundert)en vorhanden - aber was wissen wir eigentlich wirklich über das Leben der FiakerfahrerInnen in Wien? Die Stadtpsychologie hat sich diesem Thema angenommen, weil sie sich für die Menschen hinter dem Gespann interessiert und weil sie ein anderes Licht auf die Diskussion werfen wollte.
Zur Situation der Fiaker: Die Studie zeigt, dass es um das Fiaker-Gerwerbe nicht besonders gut bestellt ist. Die aktuelle Situation der Fiaker lässt sich als prekär beschreiben. Sie stehen fundamental unter Druck: Intern gibt es immer wieder Streit mit den KollegInnen, kleine Betrügereien inklusive. Bezahlung und Anstellung sind oftmals auf der Ebene der Tagelöhner angesiedelt und damit von großer Unsicherheit getragen. Die WienerInnen zeigen wenig Sympathien mit den Fiakern, ihnen tun vorwiegend die Pferde leid. Die Medienberichte bestärken das negative Image und von politischer Seite gibt es ebenfalls wenig Rückenwind. Einzig und allein die Toursiten mögen die Kutschen. Doch auch hier macht sich Konkurrenz breit, da es wenig Stellplätze und zu viele behördlich genehmigte Konzessionen gibt. Die Fiaker selbst sind an ihrer Situation selbstverständlich mitverantwortlich, aber mittlerweile ist der Arbeitsdruck hoch und eine Lösung nicht in Sicht. Kein Wunder, dass die Fiaker kein positives Bild von ihrer Zukunft haben. Viele von den Befragten sind sich nicht sicher, ob es ihren Berufsstand in 20 Jahren noch geben wird.
Deshalb appellieren wir an die Wiener Stadtpolitik, insbesondere an Herrn Bürgermeister Häupl, sich der Fiaker-Problematik anzunehmen und sie zur Chefsache zu erklären. Wichtig wäre - gemeinsam mit Wien-Tourismus, der Wirtschaftskammer als Standesvertretung und den zuständigen Behörden - eine Diskussion zu führen, wie es mit den Fiakern in Zukunft weitergehen soll. Es wäre politisch korrekt, die Diskussion aktiv zu führen, anstatt nur darauf zu warten, dass sich die Probleme von selbst lösen. Denn das werden sie nicht tun.
Wissenwertes über die Wiener Fiaker: Laut Experteneinschätzung gibt es in der Stadt Wien zur Zeit rund 100 aktive FiakerfahrerInnen, an die 30 Unternehmen und 58 Kutschen sind pro Tag in der Innenstadt zur Fahrt zugelassen. Die vorgegebenen Standplätze befinden sich am Stephansplatz, Heldenplatz, Michaelerplatz, Albertinaplatz, Petersplatz und neben dem Burgtheater. Die Preise für die drei unterschiedlichen Rundfahrten (20, 40 oder 60 Minuten) sind gesetzlich reglementiert. In den betriebsreichen Sommermonaten sind aufgrund der Vor- und Nachbereitungszeit - nach Angaben der Fiaker - 16-Stunden-Arbeitstage keine Seltenheit.
Forschungsansatz: Um die thematische Relevanz der Fiaker für die WienerInnen und ein allgemeines Stimmungsbild einzufangen, starteten wir im Mai 2009 mit einer Online-Umfrage auf unserer Homepage. Bis Ende Dezember 2009 hatten uns 340 Personen geantwortet. Die Fiaker wurden im August 2009 mittels qualitativer Leitfadeninterviews befragt. Insgesamt haben wir mit 34 FiakerfahrerInnen Gespräche geführt, die uns von ihrem Arbeitsalltag erzählten. Die Auswertung der qualitativen Interviews erfolgte mit Hilfe des thematischen Kodierverfahrens nach Flick (2007). Im Anschluss an die Auswertung wurden die Ergebnisse mittels einer SWOT-Analyse bewertet und eine stadtpsychologische Diagnose formuliert.
Download der Studie: 'Die Wiener Fiaker'
Das Forschungsprojekt basiert auf Eigeninitiative der Stadtpsychologischen Praxis Ehmayer.
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PRAXIS EHMAYER
Adresse: Pressgasse 6/3
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Die Stadtpsychologin Cornelia Ehmayer arbeitet derzeit an der Dissertation über das von ihr entwickelte Verfahren "Aktivierende Stadtdiagnose".