Die Stadtpsychologie versteht unter Lokaler Agenda 21 einen auf die Zukunft ausgerichteten, gemeinsam gestalteten Prozess. Alle in einer Stadt lebenden und arbeitenden Menschen werden gleichermaßen ermutigt, sich zu engagieren. Stadtpsychologisch organisierte Lokale Agenda 21 Prozesse können als erweiterte Leitbildprozesse verstanden werden. Sie eignen sich besonders, um den sozialen Zusammenhalt in Gemeinden zu stärken.
Stadtpsychologische Besonderheiten von Lokalen Agenda 21 Prozessen
Am Beginn von Agendaprozessen wird eine umfassende Diagnose über die Gemeinde erstellt. Es werden Zukunftspotenziale erarbeitet und die Beteiligungskultur erhoben. Der Diagnose kommt eine zentrale Bedeutung zu, denn erst nach der Diagnose wird das weitere Prozessvorgehen festgelegt. Das Verfahren mit dem die Diagnose durchgeführt wird, ist die ‚Aktivierende Stadtdiagnose’, welche für Lokale Agenda 21 Prozesse besonders gut geeignet ist, da sie – wie der Name schon sagt – gleichzeitig die Menschen für den späteren Beteiligungsprozess aktiviert.
Erfahrungsgemäß sind jene Personen schwer zu erreichen, die nicht in Vereinen oder Initiativen organisiert sind. Die Stadtpsychologie hat sich mit ihren Methoden darauf spezialisiert, jene Personen zu ermutigen, die bis dato nicht aktiv an einer Veränderung im Bezirk mitgemacht haben. Zumeist weil sie es sich bis dato nicht zugetraut haben oder weil sie diese Möglichkeit noch gar nicht in Betracht gezogen haben. Das Individuum (die nicht organisierte Mehrheit) wird als Angelpunkt für zukunftsfähige Entwicklungsprozesse gesehen und soll daher gezielt in Lokale Agenda 21 Prozesse eingebunden werden.
Im Gegensatz zu planerisch ausgerichteten Prozessen wo die Gestaltung des Lebensumfeldes mit einen konkreten Produkt als „Erfolg“ von Agenda Projekten gesehen wird, ist es bei der stadtpsychologischen Ausrichtung der entstandene Dialog zwischen den unterschiedlichsten AkteurInnen das zentrale Ziel. Der Dialog soll geprägt sein von Toleranz, Offenheit, Konfliktfähigkeit und Konsensorientierung.
Vernetzen ist eine wesentliches Tool zur Veränderung, denn es bringt Menschen zusammen, die bisher noch nicht miteinander zu tun gehabt haben. Gesellschaftliche VeränderInnen gibt es überall, aber oft so zu sehr vereinzelt. Die Zeitspanne zwischen „Begeisterung für eine nachhaltige Entwicklung“ und „Vernetzung mit anderen Akteuren“ kann sehr kurz sein, aber auch sehr lange dauern.
Langfristig soll durch die Agendaarbeit eine erhöhte Identifikation mit dem Grätzel, Stadtteil, Bezirk und der Stadt erreicht werden. Ein erhöhte Identifikation fördert die Engagementbereitschaft unter den Bewohnerinnen und Bewohnern. Und sichert so langfristig die Zukunft der Gemeinde ab.
Agendaprozesse sind nur dann erfolgreich, wenn eine Mehrheit von Personen mitmacht, die üblicherweise nicht mitmachen und wenn Neues entsteht, egal ob es ein Stadtprojekt oder eine Inititative ist, die ein Netzwerk über den Bezirk bildet.
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PRAXIS EHMAYER
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Die Stadtpsychologin Cornelia Ehmayer arbeitet derzeit an der Dissertation über das von ihr entwickelte Verfahren "Aktivierende Stadtdiagnose".